Der Vibrator und seine Geschichte

Temperamentvollen Frauen sagte man im 19. und noch zu Anfang des 20. Jahrhunderts nach, an einem Leiden namens “Hysterie” erkrankt zu sein. Ein medizinisches Gerät, nämlich der Vibrator, sollte dem “Leiden” Abhilfe verschaffen. Heute werden Vibratoren von Männern und Frauen einzig und allein zum Lustgewinn benutzt.

In Zeiten, in denen Frauen, die ihre Gefühle nicht verbargen, noch als behandlungsbedürftig galten, schickte man sie zum Arzt, der allzuoft die Diagnose “Hysterie” stellte. Mit Massagen im Genitalbereich und dem dadurch ausgelösten “hysterischen Paroxsysmus”, sprich einem Orgasmus, versuchten die Ärzte diese Frauen zu kurieren.

Heilsame Orgasmen durch Vibratoren

Auch Zwangsverheiratungen lediger “Hysterikerinnen” gehörten zu den heute unvorstellbaren Behandlungsmethoden der damaligen Zeit. Als den Medizinern die häufigen manuellen Behandlungen der vielen Hysterie-Patientinnen zu anstrengend wurde, erfand im Jahr 1869 ein amerikanischer Arzt namens George Taylor den dampfbetriebenen “Manipulator”. 1883 entwickelte Mortimor Granville das Gerät weiter zu seinem “Percuteur”. Auf der Weltausstellung 1900 in Paris wurden unter dem Namen “Vibrator” bereits mehrere verschiedene Modelle vorgestellt, die teilweise riesige Ausmaße hatten und etwa an der Decke befestigt waren oder an die Steckdose angeschlossen werden mussten.

Versteckte Werbung für den Vibrator

In den darauffolgenden Jahren wurden die Geräte kleiner und handlicher und fanden in immer mehr Haushalten ihr heimliches Versteck. Versteckt war auch die Werbung für den Vibrator, der bis in die 50er Jahre hinein in Frauenzeitschriften zum Beispiel als Haushaltsgerät oder Hautpflegegerät beworben wurde. Heute jedoch hat sich das lustbringende, vibrierende Gerät längst aus der Heimlichkeit befreit und bereitet Männern wie Frauen als buntes Sexspielzeug zum Stimulieren der erogenen Zonen Freude beim Liebesspiel. Während die ersten Vibratoren eine schlichte längliche Form besaßen, variiert die Gestalt der heutigen Geräte.

Ein Vibrator mit Auszeichnung

Neben der ursprünglichen abstrahierten Form gibt es den Vibrator auch in naturgetreuer Nachbildung eines eregierten Penis’, aber auch aus knallbuntem Plastik in Formen, die allenfalls noch entfernt an einen Penis erinnern. Zusätzliche kleine Zungen sorgen bei einigen Modellen für eine Extra-Stimulation der Klitoris oder der Analregion. So lustvoll wie der Sex mit einem Vibrator sein kann, so lustvoll sind auch die Designer der Sexspielzeuge bei ihrer Arbeit. Sie ergehen sich in allen Formen und Farben und kreieren regelrechte kleine Kunstwerke, die einem schon beim bloßen Anblick lustvolle Momente bescheren können. Und tatsächlich gewann ein  Vibrator namens  “Delight” im Jahr 2008 den begehrten “Red Dot Design Award”. Dieser bereits seit 1955 international verliehene und renommierte Designpreis drückt es vielleicht am deutlichsten aus, dass der Vibrator sich heute nicht mehr in der dunklen Nachttischschublade verstecken muss, sondern die höchsten Ehren unserer Kultur erfährt.

Der Beitrag wurde am Dienstag, den 12. April 2011 um 09:44 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemein abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf deiner Seite einrichten.
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